An der Hochschule Reutlingen gab es gestern einen Grund zum Feiern: Die Wasserstoffinfrastruktur wurde eingeweiht. Jetzt steht den Forschenden unseres Leuchtturmprojekts H2-Grid und dessen ebenfalls mit EFRE-Mitteln geförderten Schwesternprojekt H2-Flex eine Anlage zur Verfügung, mit deren Hilfe der Wasserstoffkreislauf von der Erzeugung bis zur Nutzung an der Hochschule praxisnah getestet werden kann. Herzlichen Glückwunsch an das gesamte Team! Wir freuen uns über diesen Meilenstein für H2-Grid!!!
Der Leuchtturm H2-Grid beschäftigt sich innerhalb unserer H2-Wandel – Modellregion Grüner Wasserstoff Baden-Württemberg mit der Erforschung dezentraler Wasserstoffinfrastruktur für Kommunen, Quartiere und Industrie. Was dafür alles notwendig ist, konnten wir und die vielen anderen Gäste gestern unter sachkundiger Führung vor Ort begutachten: zwei Elektrolyseure, ein zu 100-Prozent mit Wasserstoff betriebenes Blockheizkraftwerk, eine Brennstoffzelle, ein Kompressor mit vier Speicherbündeln, ein Gaschromatograph sowie ein Wasserstoff-Microgrid zur Modellierung des Gesamtsystems eines Stromnetzes. Eine tolle Sache, dieses Zusammenspiel der Komponenten zu erleben!
Doch bis es soweit war, hatte das gesamte Team viel Arbeit zu bewältigen und viele Herausforderungen zu meistern, mit denen Forschende normalerweise nicht konfrontiert werden, wie Professor Gernot Schullerus, der gemeinsam mit Prof. Thorsten Zenner Projektleiter von H2-Grid und H2-Flex ist, erzählte: angefangen vom schwierigen Beschaffungsprozess der einzelnen Komponenten, den Ausschreibungsvorschriften bis hin zu vielen Sicherheits- und Bauauflagen… . Was Prof. Schullerus da schilderte klang nach einem Haufen Bürokratie und jeder Menge Papierkram. Und dann natürlich noch der Aufbau der Anlage an sich! Alle Komponenten miteinander so zu verbinden, dass sie sinnvoll zu nutzen sind, war eine weitere Herausforderung. Eine Blaupause dafür gab es nicht. All die Mühen taten der Begeisterung für dieses Projekt keinen Abbruch. Umso schöner, dass wir und die anderen Gäste an diesem Abend in Reutlingen das ganze Team rund um H2-Grid und H2-Flex auf der Bühne versammelt sehen konnten (Siehe Titelbild). Herzlichen Dank für diesen Einsatz!!! Wir freuen uns schon jetzt auf die Forschungsergebnisse!
Glückwünsche und viel Anerkennung gab es auch seitens der Redner*innen: Prof. Sabine Löbbe (Präsidentin der Hochschule Reutlingen), Greta Schirmer-Förster (Erste Landesbeamtin und stellvertretende Landrätin des Landkreises Reutlingen), Thomas Keck (Oberbürgermeister der Stadt Reutlingen) und Dr. André Baumann (Staatssekretär am Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft).
Die Keynote hielt Prof. Markus Hölzle, Vorstandsmitglied des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und Vorstandsmitglied unseres Vereins H2-Wandel. Unter dem Titel: „Grüner Wasserstoff und grüne Elektronen – auf zwei Beinen steht die Energiewende besser“ führte er den Gästen vor Augen, was in Deutschland und vor allem in Baden-Württemberg mit Blick auf das Ziel der Klimaneutralität inzwischen alles erreicht wurde. Trotz etlicher Kehrtwenden auf politischer Ebene, trotz aller herausfordernden Entwicklungen der regionalen und globalen Märkte: Es geht mit der Energiewende voran, machte Prof. Hölzle klar: Der Ausbau der Erneuerbaren Energien läuft zügig, große Batteriespeicher werden aufgebaut, und Wasserstoff erobert sich in diesem Szenario nach und nach seinen Platz.
Dass der angestrebte Wasserstoffhochlauf immer wieder mal stocke, sei normal: Wenn ein Hype (und den gab es vor ein paar Jahren beim Wasserstoff) auf Realität treffe, stelle sich Ernüchterung auf. „Das ist nicht schlimm“, sagte Prof Hölzle. Diese Entwicklung sei bei jeder neuen Technologie zu beobachten gewesen. Wasserstoff als wichtiger Baustein der Energiewende wird kommen, da ist sich Prof. Hölzle sicher, und er wird es zu bezahlbaren Preisen tun. „Wasserstoff ist das Mineralwasser der Energiewende“, sagte Prof. Hölzle, „und nicht mehr der Champagner“. Das dürfte nicht nur für die Forschenden an der Hochschule Reutlingen Musik in den Ohren gewesen sein!
Fotos: Karen Emler/H2-Wandel



















